Geld verdienen

Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg




“Chronistin dieses Unglücks”, nennt Dirk Sager, ZDF-Korrespondent in Moskau und Verfasser des Vorworts, die preisgekrönte Autorin. Nach der Lektüre dieses Buches kann man ihm nur Recht geben. Denn die Art, wie Anna Politkovskaja berichtet und erzählt und so das Leiden und den Existenzkampf der Menschen abbildet, ist virtuos: Fakten und Eindrücke, alle in eigener, oft lebensgefährlicher Recherche zusammengetragen, verdichten sich zu einem erschütternden Gesamtbild des zweiten Tschetschenienkrieges, der seit 1999 im Nordkaukasus tobt.

Politkovskaya ergreift Partei, in erster Linie für die geschundenen Zivilisten. Deren Schweigen gibt sie eine Stimme, dem anonymen Leid gibt sie Namen. Auf jeder Seite ihres Buches wird dabei deutlich, wie sehr “das Menschliche in den Menschen zertreten und pervertiert ist durch Krieg und Hunger”. Auf der Anklagebank sitzen die russischen Machthaber, die aus historischen, ökonomischen (Öl!) und innenpolitischen Gründen Tschetschenien im Würgegriff halten — allen voran Präsident Putin. Neben den Architekten der Tragödie klagt die Autorin aber auch die Ausführenden an: korrupte russische Soldaten, die marodierend durch das Land ziehen und unter dem pseudolegitimierenden Deckmäntelchen der “Terrorismusbekämpfung” Dörfer einäschern und Menschen verschleppen.

Daneben haben es sich auch tschetschenische Kriegsgewinnler bequem gemacht, die kein Interesse an einem Ende des Krieges haben, solange die Kasse stimmt. Und was macht “der Westen”? Insbesondere nach dem 11. September schaut er nur noch zu — oder besser: weg. Anna Politkovskayas gar nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst ist, dass sie die vom russischen Militär errichtete Wand des Schweigens durchbricht und für die unschuldigen Opfer eintritt, indem sie ihnen ihre ausdrucksstarke Stimme leiht.

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 07.02.2003
Eine packende und bewegende, aber trotzdem differenzierte Abhandlung über den von den Medien weitgehend totgeschwiegenen zweiten Tschetschenienkrieg ist dieses Buch von Anna Politkowskaja, findet der Rezensent Karl Grobe. Besonders die “eigenen Beobachtungen, die Reportage, sind die stärksten Elemente ihres Buches”. Die Autorin nimmt größtenteils die Perspektive der Opfer des Krieges ein. Auch die Vorgeschichte des Krieges, vor allem den ersten Tschetschenienkrieg und die politischen Interessen hinter dem aktuellen Krieg beleuchtet die Autorin ausführlich. Grobe schätzt an diesem Bericht vor allem, dass es sich nicht um eine abstrakte, akademisch bleibende Arbeit handelt, sondern um “das gründlichste und zugleich persönlichste Buch über diesen Krieg und das Volk, das an ihm zugrunde geht”.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 11.02.2003
Anna Politkovskajas Buch “Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg” dürfte Russlands Präsident Putin, der sich derzeit mit Gerhard Schröder offiziell um den Frieden sorgt, gar nicht gefallen, vermutet Barbara Oertel. Um so mehr zeigt sich die Rezensentin von Politkovskajas Buch beeindruckt. Die kritische Journalistin, die mehrfach bedroht und vor Gericht angeklagt wurde, enthüllt in ihren seit 1999 regelmäßig in Tschetschenien recherchierten Berichten den wirklichen Charakter des russischen “Antiterrorkampfs”, hält Oertel fest. Dieser Kampf sei gnadenlos und mache keine Unterschiede. “In Tschetschenien, einer Enklave der Recht- und Gesetzlosigkeit”, fasst Oertel Politkovskajas Berichte zusammen, “sind alle Terroristen und folglich 'zum Abschuss freigegeben'.” Politkovskaja dokumentiert nach Angaben Oertels eine ganze Reihe von schweren Menschenrechtsverletzungen seitens russischer Soldaten: Mord, Folter, Plünderung sind grausamer Alltag in Tschetschenien. Oertel hebt hervor, dass sich Politkovskaja nicht auf eine Chronik der Leiden beschränkt, sondern auch der Frage nachgeht, wie der Krieg die Menschen verändere. Die Journalistin sei bei ihren Undercover-Missionen in Tschetschenien selbst mehrmals in Lebensgefahr geraten und so von einer Beobachterin zur direkt Beteiligten geworden, berichtet Oertel. “Wahrscheinlich ist es gerade diese erzwungene Schicksalsgemeinschaft, der Perspektivenwechsel wider Willen”, so Oertel, “der die Journalistin in die Lage versetzt, das Grauen in Worte zu fassen.”

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Die Zeit, 20.02.2003
Bewundernswert findet der Rezensent Marius Zippe die Anklageschrift Anna Politkovskajas gegen den Tschetschenienkrieg: nicht nur weil das Buch ein “investigatives Meisterstück” sei, sondern auch, weil sich die Autorin durch ihre Recherchen teilweise in Lebensgefahr begeben habe. Politkovskaja hat ein “Schwarzbuch in drei Teilen” vorgelegt, erklärt Zippe. Das erste Kapitel beschreibe den Kriegsalltag, das zweite die Auswirkungen des Krieges auf Russen und Tschetschenen, und im dritten Teil frage Politkovskaja nach der Zukunft Tschetscheniens. Wer dieses Buch gelesen habe, glaube nicht mehr an die offizielle russische Darstellung, der Tschetschenienkrieg sei eine “antiterroristische Aktion” gegen islamische Fundamentalisten. Zippe lobt aber nicht nur die inhaltlich präzise Darstellung dieses vergessenen Krieges. Politkovskajas Reportagen widerstehen seiner Ansicht nach auch der Versuchung einer oberflächlichen Zuweisung von Täter- und Opfer-Rollen. Gerade dass sie nicht von “der” Armee, “den” Rebellen oder “der” Zivilbevölkerung spreche, macht dieses Werk für den Rezensenten so überzeugend.

© Perlentaucher Medien GmbH


Rubriken: ,
Autor: Anna Politkovskaja
Verlag: Dumont Buchverlag, Auflage:2 (14. December 2006)
ISBN: 3832178325
Ein Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch nicht bewertet)
Loading ... Loading ...
Kaufen
Zum TOP SPEED Download
rapidshare.com
Zum TOP SPEED Download
rapidshare.com


Ein Kommentar auf “Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg”

  1. admin sagt:

    Neue Links hinzugefügt!

Schreibe einen Kommentar

Du must dich anmelden um ein Kommentar zu verfassen.