1997 gewann er als erster Deutscher die Tour de France, insgesamt wurde er fünfmal Zweiter, dreimal hinter Lance Armstrong. In seiner Autobiografie präsentiert Jan Ullrich sich nun weder als tragischer Held noch als Opfer seines frühen Erfolgs, sondern als selbstkritischer Sportsmann.
Bereits mit 13 Jahren zog es das Rostocker Jungtalent an die Berliner Sportschule, wo er via Westfernsehen heimlich die Tour de France verfolgte und “der wichtigste Mensch in meinem Leben… keine Heike oder Mandy, sondern mein Trainer” war. 1993 kreuzten sich erstmals die Wege der beiden Kontrahenten: Ullrich wurde mit knapp 20 Jahren Amateurweltmeister, Armstrong siegte tags darauf bei den Profis. Das ewige Duell der beiden findet im Buch seine Fortsetzung und für jene, die kennen, ist es reizvoll, die unterschiedlichen Tour-Berichte zu vergleichen. Ullrich beharrt auf seinem eigenen (Fahr-)Stil und resümiert fast trotzig: “Ich bin nicht der kühl berechnende Superstar ohne Fehl und Tadel, der sein Leben Tag für Tag dem Streben nach Höchstleistungen unterwirft.” Doch immerhin lautet sein Motto und Armstrong meint: “Entweder mache ich etwas 150-prozentig oder ich schlafe.”
Für Ullrich heißt es, “in erster Linie mich selbst besiegen”. Immer wieder hat er sich vermeintlich unerklärliche Ausrutscher geleistet, die bei näherer Betrachtung nur allzu menschlich sind. Nochmals leistet er Abbitte für seinen Disco-Unfall (”Ich war wirklich ein Angeber, und ein schlechter noch dazu.”) oder den Ecstasy-Eklat (”Sie hatte Recht. Ich war ein Idiot.”), der fast das Karriere-Ende bedeutet hätte. Ullrich erzählt seine Geschichte(n) so, wie er Rad fährt: gleichmäßig, gut anzusehen, vielleicht eine Spur zu leidenschaftslos. Nur in den Kapitelüberschriften geht er aus dem Sattel: “Die Liebe”, “Der Triumph”, “Die Wende”. Da wird die Rennfahrer-Karriere zum Bildungsroman über ein “schlampiges Genie”.
Fazit: Pflichtlektüre für Radsport-Fans und interessant für Breitensportler, die es beruhigend finden, dass auch im hochgerüsteten Profibereich Platz für “unglaublich dumme Fehler” bleibt.
Jan Ullrich kam aus dem Nichts und gewann 1997 als erster Deutscher die Tour de France. Über Nacht wurde er zum Helden. Dann der Sturz: schnelle Autos, die Liebe zu Wein und gutem Essen, Dopingvorwürfe – Jan Ullrich fiel tief. Doch er wandelte sich, wurde Vater und feierte 2003 als Zweiter der Tour ein grandioses Comeback. Jetzt erzählt der sympathische Rostocker Junge seine Geschichte: wie er, ohne Vater aufgewachsen, nach dem Mauerfall in den Westen ging und dort die Liebe fand; wer die wichtigen Menschen in seinem Leben sind; wie er seine großen Krisen meisterte; warum er die Tour jetzt endlich wieder gewinnen will. Der Liebling der Deutschen, wie ihn keiner kennt – mit vielen unveröffentlichten Fotos.
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