Das Buch war längst überfällig: Seit er mit seinen Teleportationsexperimenten Weltruhm errang, genießt der Physiker Anton Zeilinger auch in der breiten Öffentlichkeit jenen Starruhm, der ihm in der Fachwelt schon lange vorausgeeilt war. Mit hat er sich der Mühe unterzogen, jene bizarren Gesetze zu erklären, die in der Welt der Atome herrschen. Wer sich saftige Science Fiction oder Anleitungen zum Beamen à la erwartet, wird enttäuscht. Wer jedoch eine gründliche und leicht lesbare Einführung in die neuerdings boomende Quantenphysik sucht, ist mit hervorragend bedient.
Im Plauderton breitet Zeilinger seine Fachgebietes aus. Simple, wie von Hand gezeichnete Skizzen illustrieren dabei nicht nur die beschriebenen Experimente, sondern auch Zeilingers Selbstverständnis als Autor: Er will seine Leser nicht blenden und beeindrucken, sondern einfach klüger machen. Auf eitlen Tand wie etwa eine Dramaturgie wird konsequenter Weise verzichtet. Das macht die Lektüre passagenweise ein wenig trocken, doch die Mühe lohnt: Nachdem Zeilinger die Pflicht der Einführung erledigt hat, setzt er im letzten Kapitel zur brillianten Kür an. Hier beschreibt er die Auswirkungen der Quantenphyisik auf unser Weltbild: Information, nicht Materie ist demnach der Grundbaustein des Universums.
Wer so etwas für bloß akademische interessante Gedankenexperimente hält, liegt völlig falsch. Schon bisher hat die Quantenphysik Computer und CD-Player ermöglicht. Und in den kommenden Jahren wollen die Forscher weitere, völlig neue Technologien wie etwa superschnelle Quantencomputer entwickeln. Wie diese Maschinen funktionieren werden, weiß heute noch niemand. Doch wer gelesen hat, kennt zumindest die physikalischen Gesetze, denen sie gehorchen werden.
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2003
Ernst Horst hat dank des Experimentalphysikers Anton Zeilinger die Quantenmechanik verstanden, zumindest ein bisschen. Das will was heißen, denn: “Die Quantenmechanik ist ein ähnlich absurdes System wie die Astrologie oder die Bundesanstalt für Arbeit” – nur effizienter. Und obwohl alles erstmal paradox klingt, ist es dann ganz logisch. Nur eben schwer zu begreifen. Zeilinger aber könne nicht nur gut erklären, sondern auch entschlossen weglassen. So erschließe er uns, also der “Richterin”, dem “Elektrikermeister” und dem “Landarzt”, die Quantenmechanik in vier einführenden Prinzipien. Und siehe da: Es bleibt was hängen, auch dank der gut verständlichen Illustrationen. Vielen Dank, Herr Professor, sagt der Rezensent und ist schon gespannt auf den Quantencomputer.
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