Der deutsche Titel von Mo Hayders im Original genanntem Thriller führt in die Irre. Zwar gibt es auf der einsamen schottischen Insel Cuagach Eilean neben einer Schweinefarm und einer Giftmülldeponie auch die verschworene Gruppe religiöser Fanatiker der „Gemeinde für Psychogenes Heilen“, die in Verdacht steht, Satanismus zu betreiben. Aber deren Gründer, Pastor Malachi Dove, ist nach einem schweren Vergehen gegen die eigenen Regeln selbst aus der Sekte ausgeschieden und führt nun irgendwo in den Bergen ein verschrobenes Dasein. Dies erfährt der Journalist Joe Oakes gleich nach seiner Ankunft auf dem unwirtlichen Eiland, auf dem der Teufel leibhaftig umzugehen scheint. Trotz aller Warnungen der Bewohner macht sich Oakes auf die Suche nach Dove, der ihn seit einem Zusammentreffen vor Jahren ewige Rache geschworen hat.
Dann wird unter den Bewohnern der Insel, die Dove entmündigen lassen wollten, in deren Kirche ein blutiges Massaker angerichtet. Dove verschwindet, und Oakes muss aufgrund einer geheimnisvollen Prophezeiung annehmen, dass der dem Wahnsinn verfallene Ex-Priester, der seine exorzistische Brutalität zuvor schon an den Schweinen von Pig Island ausgelassen hatte, es nun auf ihn abgesehen hat. Tatsächlich wird Oakes Frau unter den Augen der Polizei ermordet. Und dann ist da noch Doves Tochter Angeline, zu der sich Oakes trotz ihrer Missbildung hingezogen fühlt. Welche Rolle spielt sie in dem Spiel, in dem der Journalist — so viel ist von Anfang an klar — nur verlieren kann?…
Hayders Roman hat seinen Namen nicht verdient. Denn die eigentliche Grausamkeit und Spannung zieht das Buch keineswegs aus den merkwürdigen Ritualen der Gemeinde, von denen man nur das Nötigste erfährt, sondern durch das auch den Leser quälende Unwissen von Oakes, der zugleich auch (neben seiner Frau) Ich-Erzähler der Story ist. Bis zum gänzlich überraschenden Ende schafft es Hayder so, ihre Leser durch psychologische Finesse zu fesseln. Spannender kann man eigentlich kaum mehr schreiben.
Mit ihrem letzten Roman schrieb sich Mo Hayder endgültig unter die Topautoren der Spannungsliteratur: In “Tokio” zeichnete sie verstörend brutal einen 1937 im chinesischen Nanking verübten Völkermord nach. Thematisch ist der Nachfolger “Die Sekte” weniger spektakulär. Der Journalist Joe Oakes bekommt die Chance, eine Woche auf der schottischen Insel Guagach Eilean zu verbringen, wo seit Jahrzehnten die Mitglieder einer Sekte völlig abgeschottet leben. Es heißt, die Gemeinde für Psychogenes Heilen betreibe Teufelsanbetungen. Oakes Interesse aber gilt weniger den Ritualen der Sekte als ihrem Gründer Malachi Dove. Mit dem geriet er bereits als Teenager aneinander, und Dove schwor: “Eines Tages werde ich Ihnen Ihren Seelenfrieden nehmen”. Auf Guagach Eilean beginnt für Oakes eine Hetzjagd, die seinen Alltag komplett aus den Angeln hebt. An Grausamkeit und Brutalität steht “Die Sekte” dem Vorgänger in nichts nach. Und doch ist der Thriller vergleichsweise konventionell. Hayder schreibt wendungsreich und spielt mit den unterschiedlichen Perspektiven ihrer Figuren. Viele der Charaktere bleiben aber flach und durchschaubar, selbst die grausamsten Gewaltsszenarien sind wenig eindringlich. Das Ende schließlich schockt, zeichnet sich jedoch bereits nach der Hälfte der Story ab – eine zusätzliche Enttäuschung. (jul)